Wing Commander Online Chat- und Forenrollenspiel

Kappa Terminal
Sternzeit: 2708.199
[Auswahl] [Profil] Personalakte von Buckthorn
Lebenslauf

*** Prolog: Familienbande ***

In endlosen Scharen besteigen die Hoffnungslosen, Verfolgten, die Andersgläubigen und ewigen Pilger schon seit Jahrhunderten die für sie so kostbaren rostigen und meist überbezahlten Transit-Archen und verlassen ihre Heimat. Sie alle sind auf der Flucht vor irgendetwas, der Politischen Sintflut, der Willkür ihrer Obrigkeiten, Orientierungslosigkeit oder den ewig andauernden Sternenkriegen. Und es waren abgelegene, idyllische Welten wie Hebron, die weit weg von Krieg und Staatsmächten friedlich ihre Kreise drehten und ihre wohlwollenden Arme weit öffneten um all die müden Sternenwanderer willkommen zu heißen.

Eine neue Welt, eine neue Chance. Neues Glück. „Frei und gut zu leben“ hieß das Ziel all derer, die mit ihren Schiffen diese Welt erreichten.

Also, mein erster Eindruck unserer neuen Welt, an den ich mich heute noch erinnern kann, war der letzte Blick auf Newjerusalem Starport, auf seine Ghettos und Slums, seine Gießereien und deren riesigen Schlote, die unablässig ihr Gift in die Atmosphäre spuckten und so den gelben Regen schufen, der immer und immerfort auf uns herniederging. „Dies ist Gottes Strafe für uns arme Sünder“, brachte Mum devot hervor und erntete dafür Blicke voller Gram und Sorge von meinem Vater, dem hohen Patriarchen unserer Sippe. Ich war bei unserem kleinen Exodus damals vier, nein fast fünf Jahre alt, ein kleiner Spund von einem Kerl, saß mit meinem hässlichen Riesenkaninchen zwischen all unserer verpackten Habe auf der hinteren Ladeplattform unseres schrottigen Landsliders und winkte unserem alten Zuhause zum Abschied Lebewohl.

In Elendsvierteln zu hausen mag zwar für Mum, Vater, und die anderen Erwachsenen dem Fegefeuer geglichen haben, für uns rotznasige Kinder war es ein einziges, großes Fest. Räudige Hunde, brennende Tonnen voller Müll, dunkle und verlassene Fabriken, unheimliche drachenähnliche Maschinen und dazwischen Meuten von kleinwüchsigen Raumkorsaren, blutgierigen Söldnern und wilden Kilrathibestien, die mit selbst gebauten Waffen um einen Berg Fabrikabfall einen Krieg führten, der nie zu enden schien. Aber das sollte jetzt hinter uns liegen, denn nun hatten uns Hebrons Behörden endlich freie Gutslandparzellen in der Nähe der Provinzstadt Beérseba zugeteilt, auf der wir Silikanerz anbauen und Gantan-Mulaner züchten durften. Die Großen jubelten, freuten sich, opferten Lämmer und Ratten und machten sich mit allem, was sie besaßen auf nach Norden zu unserem neuen Stück Land. Unserer neuen Heimat.

Jedoch, bei unserer Ankunft dort, in unserem so geliebten, gelobten Land, floss keine Milch und leider auch kein Honig, wie ich als bibelfester Fast-Fünfjähriger erwartet hatte. Nur Blut und Tränen gab es dort für uns. Doch davon reichlich. Unsere Erzkollektoren auf den Feldern zu unterhalten und vor dem ständigen Regen zu schützen war ein Höllenjob, der nie aufhörte. Zu Beginn war die Ausbeute noch gut und tröstete uns über die Plackerei hinweg, aber das änderte sich im Laufe der Zeit. Als Kleinbauern fehlten uns die weiteren Mittel und unser Kreditrahmen war bereits am Anfang erschöpft. Was wir mit unseren eigenen Händen nicht bewahren konnten verging allmählich und ein Kollektor nach dem anderen hauchte sein Leben aus. Die Silikanidenschwärme begannen unsere Gründe zu meiden und unser Land wurde karg und ertragsarm. Mit unseren paar Gatans hielten wir uns noch über Wasser, aber auch die waren zäh, mürrisch und gaben kaum Milch ab. Leider ist die Geschichte, die dort mit unserer Familie geschah, nicht neu, sondern passiert überall, weltenweit und wird sich wiederholen bis ans Ende der Tage. Nicht minder tragisch ist sie dennoch.

Ich glaube, Foster Edenhoff hatte bereits aufgegeben, als wir gerade mal ein Jahr auf unserem neuen Land lebten und er unterwarf sich dem mächtigen Dämon Alkohol. Warum genau mein Vater unterging, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war er des Lebens hier müde, es hetzten ihn innere Dämonen oder ihm war einfach nur zu langweilig. Wir alle haben es nie erfahren, weil er ebenso stur wie durstig war. Was wir aber erlebten, waren all seine schlechten Seiten, verstärkt durch den Fligychin Bourbon, den er in sich hineinschüttete und auf unsere Familie fiel nun wirklich Gottes Strafe. Wir armen Sünder... Das sagte nicht mehr nur Mum, das sagten wir uns alle. Meine Geschwister kamen schließlich nach, Lindon und Zoe. Sie wurden ebenso brutal in diese Welt gebracht, wie sie zusammen mit mir auch aufwachsen und älter werden mussten. Der alte Herr beherrschte uns alle, so auch seine Brüder, denn auch die hatten Angst, sich gegen ihn zu stellen. Und wieder war es die Tyrannei eines Einzelnen über viele, welche die Menschen, also mich in diesem Fall, zwang, zu gehen. Zu fliehen. Und ich wusste auch wohin ich fliehen wollte.

Die Welt Hebron ist zwar nach meinem Dafürhalten am weitesten vom hellen Zentrum der Galaxis entfernt, aber dennoch erfuhr ich alsbald in meiner frühen Jungend von den noblen Raumstreitkräften unseres Volkes. Den großen Exilantenkriegsschiffen, die den Raum bereisten und mit ihnen an Bord kampfbereite Männer und Frauen führten, die den Tod nicht und auch keinen Feind fürchteten, immer bereit, der Gefahr ins Auge zu sehen und es mit allem aufzunehmen… vielleicht also auch mit meinem Vater. So dachte ich mir das damals. Ich besorgte mir die notwendigen Unterlagen, die Ausreisepapiere, Genehmigungen, all den umständlichen Behördenkram, welcher mir das Verlassen Hebrons und den Eintritt in die Akademie erlaubte. Alles was mir zuletzt noch fehlte war Fosters Unterschrift. Durch seinen gesetzlichen Stand als Sippenoberhaupt war es mir nach Lokalrecht ohne seine Unterschrift erst mit 25 gestattet, frei zu reisen. Die Jahre bis dahin wollte ich aber unter keinen Umständen abwarten. Ich bat ihn also, zu unterzeichnen. Aber den Teufel tat der alte Mann. Ich war mittlerweile sechzehn und todesmutig bettelte und schacherte ich jeden Tag, jeden verdammten, regenfeuchten Tag mit diesem Dämon auf Erden. Er solle mich gehen lassen, mich mein Leben führen lassen, wie ich es wollte. Doch vergebens... Unerbittlich umklammerte er mit seinen gierigen Fingern uns alle und lies keinen fort. Mich nicht und auch die Anderen nicht.

Mit siebzehn fälschte ich seine Unterschrift und kam sogar bis nach Newjerusalem ehe mich Ed und Toby einholten und wieder zu ihm zurückbrachten, ihre Gesichter voller Bedauern und Reue. Foster brachte mich beinahe um, im wahrsten Sinne des Wortes, ich wäre wirklich beinahe unter seinen Schlägen verreckt. Ich brauchte mehrere Wochen um mich wieder zu erholen und mein Entschluss weg zu gehen war stärker denn je. In der Nacht, nachdem er mich zu einem Haufen Elend geprügelt hatte, betete ich zum ersten Mal zu unserem Herrn um seinen Tod. Dies wurde zu einem Ritual, meinem täglichen Ritual und ich verspürte keine Reue dabei. Nur immer schlimmer werdende Taubheit. Der Herr aber erhörte mich schließlich und tötete Foster Edenhoff im Schlaf, Zoe fand seinen bereits kalten Leichnam auf seinem Sofa, am Tag darauf. Sie weinte, alle taten das. Aber ich nicht. Ich war nun frei und würde nun endlich gehen können, um nie mehr wieder zu kommen. Als nunmehriges „Familienoberhaupt“ erledigte ich schnell die bürokratischen Angelegenheiten, besorgte mir die Transitpapiere Hebrons und packte meine spärlichen Sachen.

Einen Tag nach seinem Tod war ich bereit für meinen Flug zur TCSe Eternity. Mum machte mir noch eine hässliche Szene und bat mich inständig, schließlich auch auf ihren Knien, wenigstens noch bis zu Vaters Beerdigung zu bleiben. Es sei meiner nicht würdig, einfach so zu verschwinden, ihn ohne letzte Ehrehrbietung zu verlassen. Er sei immer noch mein Vater gewesen und der Herr über diese Familie. Würdig… Ehre… Vater… Herr… Gar nichts. Gar nichts war er!

Ich liebte damals meine schwache, einfältige Mum, also blieb ich noch bis zu Fosters Beisetzung, zwei Tage später.

Hebrons Regen fällt an jenem Tag. Er schimmert gelblich wie immer.

Ich werde ihn irgendwie vermissen… den gelben Regen Hebrons.

 

*** Kapitel 1: Lehrjahre sind Herrenjahre ***

Die sechs Jahre, die ich nach des elendigen Tyrannen Beerdigung und meinem eigenen, kleinen Exodus aus Beérseba an Bord der Eternity verbringe sind so... so unglaublich vieles. Von einer vollkommen ärmlichen und kargen Welt zu stammen hat seinen Vorteil: Egal was danach kommt, es ist einfach wunderbar reichhaltig. Selbst wenn es eine militärische Audbildung ist. Und das will ja was heißen. Von den ersten Wochen an bis zum Schluss schenke ich mir nichts. Gar nichts!

Hebrons Stumpfsinn, das Martyrium harter Arbeit und mangelnde - oder wohl eher: nicht existente Schulbildung - sind ein Handicap, das ich aufzuholen habe. Schnell wird mir allerdings bewusst, dass ich mit meiner herkömmlichen Aufnahmegeschwindigkeit nicht viel Land sehen werde und greife zu Mitteln, um meine Tage zu verlängern, meinen Blick für das Wesentliche zu schärfen und meinen Verstand aufnahmebereit zu halten.

Ich trainiere, lerne, sauge alles Wissen auf, dessen ich habhaft werden kann und bekomme von nichts genug. Die Jahre ziehen rasant vorbei, so als wären es Monate.

Menschen - und andere Wesen - kommen, bleiben kurz auf meinem Weg und verschwinden dann wieder. Ich denke selten an diese... viel zu selten. Einige wenige aber bleiben und mit ihnen ein kleiner Vorgeschmack auf das, was wohl als Freundschaft bezeichnet werden kann. Es ist gut so und ich genieße diese Dinge, wie sie sind und wenn sie es sind. Mehr vom Leben zu verlangen liegt mir nicht. Auch etwas, was mir meine Heimat beigebracht hat. Es ist übrigens Krieg im All. An allen Fronten. Das erfahre ich natürlich erst, als ich den Streitkräften beigetreten bin. Vorher war mir das nicht in diesem Ausmaß bewusst, wie denn auch...

Mit jedem Jahr, dass in der Space-Navy vergeht, komme ich jedoch merhr und mehr zu der Erkenntnis, dass dieser Krieg für mich sehr wichtig ist. Ich brauche ihn. Hurra! Der Krieg ist ein Geschenk für mich, denn nur duch ihn kann ich - zumindest meine ich das in diesen Tagen - zeigen, was mein Wert ist. Ich will an die Front, in die vorderste Linie. Will alles tun, was ich kann, um Feinde zu zerstören. Ich kenne nicht einmal deren Identität, aber die ist mir auch scheißegal. Kilrathi, Mantu, Renegaten... sie kümmern mich nicht. Was ich will, ist, auf sie gehetzt zu werden. Dass die Oberen mir befehlen mögen, "gehe hin, töte diese Hunde, denn sie sind der Feind!" Und genau das zu tun, wird mir vergönnt sein, denn mich für die moblien Trägerverbände zu melden bringt mich genau da hin, wo ich hin will. Hin muss.

Ich entscheide mich daher recht bald für die TCSe Asgard... wunderschön, kampfbereit, modernst und fein vorne im Bus. Aber... ganz so leicht ist das alles leider nicht, wie ich es mir ausmale. Wir werden natürlich bereits während der Ausbildung auf der Eternity rausgeschickt in den Kampf und müssen unser blutiges Werk verrichten. Stück für Stück wird mir dabei bei jedem Gefecht schmerzhaft bewusst, dass das Unheil, dass ich in meinem aufgeputschten und emotionslosen Zustand anrichte, jedes Mal ein klein wenig mehr von meiner Seele auffrisst. Wenn dann schließlich die Wirkung der Pillen verblasst, bleibt eine düstere und gefährliche Scherbenwelt, die nichts Gutes kennt. Als das Ende meiner Ausbildung dann naht, schlucke ich Aufputschmittel, als wären es Süßigkeiten, schlafe selten und wenn, dann wenig und vertreibe Dinge, die nur ich sehen kann, mehr schlecht als recht... Foster ist noch hier, ich kann ihn sehen, obwohl er doch schon tot ist. Mehrmals sucht er mich heim hier an Bord der Eternity und keine dieser Begegnungen ist wirklich angenehm. Und er ist nicht der Einzige. Den seit Jahren schon toten Bucki sehe ich ebenfalls... was für ein Ziel allerdings der verfolgt, ahne ich noch nicht. Aber ich meine irgendwie, dass er mir zumindest wohl gesonnen ist. Vielleicht.

Es gibt dann auch noch die Anderen, aber sie haben sich mir noch nicht gezeigt. Dass sie aber irgendwo dort draussen lauern und auf ihre Zeit warten, dessen bin ich mir sicher.

Die Akademiezeit endet schließlich und an ihrem Ende kommt dann alles ganz anders. Meine Marschorder schickt mich weg, weit weg ins Heaven's Gate System, auf eine Kontruktionswerft im All. Eine Art Versorgungsdepot, von der ausgehend eine Raumstation errichtet werden soll. Ein kleiner, düsterer und schäbiger Ort, an dem ich Patrouille zu fliegen und auf die Werftarbeiter aufzupassen habe.

Fantastische Aussicht!

Ich habe das miese Gefühl, wieder zuhause zu sein...

 
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