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Kappa Terminal
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Mangelware: ruhige Ecken
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Mangelware: ruhige Ecken

Beitragvon Hashtag » 15. Mai 2019 15:14


Das Büro war nicht mehr als eine notdürftig eingerichtete Kammer mit Tisch und Terminal, in der sich vielleicht arbeiten, aber nicht wirklich abschalten ließ. Die beinahe winzige Ablagefläche erforderte einiges an Jonglagekunst, um dort Ordner so zu drappieren, dass sie nicht gleich im ganzen Stapel zu Boden fielen. Auch, wenn dieses Zimmer vermutlich zu den ruhigeren auf dem Deck gehörte, hieß das noch lange nicht, dass man hier auch mal seine Ruhe hatte. Ständiges Dröhnen und arhythmisches Hämmern vom Flugdeck, das zwar von den Isolierungsmaßnahmen gedämpft, aber nicht gänzlich unterdrückt werden konnte, gemischt mit tiefen Vibrationen vom Maschinendeck, die wohl über die Wände und Boden übertragen wurde, führten zu einem andauernden Grundpegel, der dem Major langsam aber beständig zusetzte. Dazu kam, dass der Kaffee auf der Europe auch nur mäßig gut war, zumindest im Vergleich zu Metals Bürokaffee, den er auf der Hathor noch genießen durfte...

Müde fuhr sich Jason über die angespannten Augen und begann, seine Schläfen zu massieren, die vom andauernden Pegel hier dezent vermelden wollten, dass sie jetzt genug davon hatten und eine Pause für sinnvoll hielten. Er schielte auf den Stapel mit den erledigten Berichten, und beschloss, dass das Tagwerk für's Erste vollbracht war, leerte die inzwischen nur noch mit lauwarmen Kaffee gefüllte Tasse in einem Schluck und stand auf, um sich die Beine ein wenig zu vertreten.

Tatsächlich war ein Träger der Concordia-Klasse nicht in der Lage, dem modernen Komfort der Hathor auch nur im Ansatz Stand zu halten. Aber es sollte doch wohl möglich sein, hier irgendwo mal eine ruhige Ecke zu finden, bei der man mal für ein paar Augenblicke abschalten konnte, ohne sich gleich in die Koje legen zu müssen...

Beim Verlassen des Zimmers verharrte er kurz vor der Tür, als sein Blick in das mit allerlei Papierkram und Akten vollgestopfte Regal fiel. Unordentlich reihten sich dort Ordnen neben- und hintereinander, quer liegend darauf Kladden in verschiedenen Farben und Größen, und mittendrin ein wertig in Leder gebundenes Buch. Ein alter Schinken, der dort vielleicht seit Inbetriebnahme des Trägers schon sein Dasein fristete, belesen, angestaubt, vergessen... Neugierig griff er danach und zog den Wälzer heraus, schlug es auf und blätterte ein wenig darin herum. Ein Schmunzeln huschte über sein Gesicht, als er erkannte, was er dort in den Händen hielt... Ja, auf der Akademie hatten sie immer wieder Auszüge daraus durchgenommen, aber das hier schien tatsächlich ein Original zu sein. Ein Handbuch... also... DAS Handbuch.

Er klappte das Buch wieder zu, öffnete die Tür und nahm es mit hinaus auf den Flur. Irgendwo auf den vorderen Decks war es vielleicht etwas ruhiger, und dieses... naja... historische Werk wäre vielleicht die geeignete Entspannung...
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Re: Mangelware: ruhige Ecken

Beitragvon Hashtag » 20. Mai 2019 14:11


Auf der bewussten Suche nach einem Ort, der sich zum ausklinken eignen sollte, wurde es Jason immer deutlicher klar, dass dies auf der Europe wohl kein leichtes Unterfangen war. Sicher, je weiter er sich vom Maschinenraum entfernte, umso weniger nahm er das Dröhnen wahr. Auch die Betriebsgeräusche des Flugdecks blieben irgendwann zurück, aber es wurde insgesamt nicht wirklich stiller - der Lärm änderte sich nur. Mal war es das betriebsame Scheppern aus der Großküche, mal kam er beinahe einem Trupp angehender Offiziere in den Weg, die mehr oder weniger motiviert und lautstark ihr Sportprogramm absolvierten. Techniker hier, Bordcrew da, Computerfiepen und Lautsprecherdurchsagen, selbst die Reinigungscrew machte sich alle Mühe, die kleinste Chance auf ein ruhiges Fleckchen zunichte zu machen.

Nach einer Weile gab er es schließlich auf. Das hier war einfach kein moderner Superträger, keine Hathor. Wie schnell man sich doch an den Komfort auf dem weiträumigen, um ein vielfach größeres Schiff gewöhnen konnte. Nun, es half alles nichts - dies hier sollte für die Reparaturdauer seine neue Heimstatt sein, und damit musste er sich arrangieren. Also machte er sich doch auf den Weg ins Kasino. Vielleicht gab es dort einen Fleck, an dem nicht all zu viel Trubel war und ihn die Lautsprecher nicht volldröhnten, sei es mit Musik oder Nachrichten.

Und tatsächlich schien es im Kasino nicht so betriebsam zu sein wie befürchtet. Die Lautsprecher waren angenehm heruntergedreht, die paar Leute diszipliniert genug bei ihren Unterhaltungen und das regelmäßige Pöck-Pöck-Pöck, das die zwei Dartspieler auslösten, war schnell verschluckt, als Jason sich am entgegengesetzten Ende des Raumes an einen Tisch setzte. War wohl gerade keine Stoßzeit. Er bestellte sich einen Kaffee...

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Re: Mangelware: ruhige Ecken

Beitragvon Hashtag » 21. Mai 2019 11:17


Eigentum von 2nd Lt. 1st. Lt. Carter Brix

Mit Kugelschreiber direkt auf der Umschlag-Innenseite prangen diese Worte, in grober, etwas unbeholfen wirkender Handschrift, wobei das 2nd Lt. sauber durchgestrichen und darüber durch einen schwungvollen 1st. Lt. ersetzt wurde. Eine junge Karriere, die offensichtlich motiviert begonnen hatte, aber anscheinend recht abrupt endete... Der Name sagte Jason rein gar nichts, doch das wunderte ihn auch nicht weiter. Vielleicht ein Spinning Spider der ersten Stunden? Ein Datum jedenfalls stand nicht daneben, aber der Druck des Buches... Hash blätterte durch die ersten Seiten... 2658. Das war knapp zehn Jahre, bevor die Europe ihren Dienst angetreten hatte. '66? '67? So um den Dreh rum musste das doch gewesen sein...

Der Kaffee wurde gebracht und dampfte vor sich hin in der TCN-Norm-Tasse. Na, immerhin ist er heiß... Er nickte dem jungen Burschen dankend zu, der ihm gerade das Getränk gebracht hatte, widmete sich dann aber wieder dem Buch und begann, zunächst wahllos darin herum zu blättern. Immer wieder waren Passagen sauber mit Lineal unterstrichen - da hatte es scheinbar tatsächlich jemand akribisch durchgearbeitet. Von vorne bis hinten. Keine Randnotizen, aber jede Menge unterstrichene Passagen.

Meine Güte - das Faltmaß der Hemden scheint ihm besonders wichtig gewesen zu sein...? Jason blickte an sich herunter und strich etwas gedankenverloren seine Uniform glatt. Er musste schmunzeln - war es möglich, dass der Drill vor 40 Jahren noch von gänzlich anderer Natur gewesen war? Oder war dieser Brix einfach nur ein äußerst penibler Zeitgenosse?

Er griff nach dem Kaffee und nahm einen Schluck.
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Re: Mangelware: ruhige Ecken

Beitragvon Hashtag » 22. Mai 2019 12:50


Wie erwartet war der Kaffee kein wirklicher Hochgenuss, aber immerhin heiß. Ob da wirklich Koffein enthalten war, vermochte Jason nicht zu sagen. Ein schmeckte dünn, etwas bitter, und hätte eigentlich durch einen schuss Milch aufgewertet werden müssen. Aber die war nicht greifbar, und damit war es dann auch egal.

Im Moment war er irgendwie müde. Müde und träge, aber keineswegs bettschwer. Eher... matt. Die Umstellung von der Hathor auf die Europe fiel ihm sicher etwas schwerer als manch anderem hier. Er war ein Freund von Gewohnheiten, er mochte es, wenn alles seinen Platz hatte. Wenn er blind nach Ordnern greifen konnte und wusste, in welcher Ablage welche Dokumente zu finden waren. In gewisser Art konnte man wohl sagen, dass er da ein wenig eigen war, aber mit etwas Disziplin ließ sich doch so einiges an Abläufen optimieren.

Nur... bei einem provisorisch eingerichteten Arbeitszimmer auf Besenkammer-Niveau, in dem noch dazu Kram rumstand, der da eigentlich nichts zu suchen hatte, war das Optimieren durchaus eine kleine Herausforderung. Der meiste Papierkram war auf dem Träger zurück geblieben, die wichtigsten Ordner und Mappen in Kisten verpackt nachgeliefert worden, bevor die Hathor abgeschleppt wurde. Die Daten von seinem Pad konnten nach einem mehrfachen Scan auf Virus-Befall auf der Europe importiert werden und die wichtigsten System-Tools waren auch wieder online und verfügbar. Aber einige Daten waren auch mit dem Hathor-Rechner nun in ungreifbare Ferne gerückt, lokal gesichert, in Quarantäne, bis jedes letzte File mit Garantie als sicher eingestuft, wieder hergestellt oder für immer gelöscht wurde. Hoffentlich waren die Ausfälle nicht zu hoch... Und wenn er sich schon solche Gedanken machte, wie würde es Amy dann nur gehen...?

Mit einem leisen Seuftzen widmete er sich wieder dem Buch auf seinem Schoß. Es strahlte eine gewisse Erhabenheit aus. Unberührt von digitalen Angriffen, unabhängig von Strom und Technik, beinahe wie in Stein gemeißelt und dafür gemacht, Generationen zu überdauern. Er musste Schmunzeln bei diesem Gedanken - immerhin müsste dieser Brix, dem das Buch einst gehörte, jetzt etwa im Alter seines Großvaters sein. Also... wenn er denn noch leben sollte, was Hash als nicht sonderlich wahrscheinlich einstufte.

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